Wer ist Tiffi? Tiffi bin ich!
Meine Oma nannte mich früher so. Der Spitzname Tiffi bedeutete für mich "zu Hause ankommen"
Mir ging mein Herz auf, als ich meine Oma freudestrahlend oben am Fenster unseres Hauses sah ...
Sie stand jeden Tag an derselben Stelle und wartete darauf, als ich von der Schule nach Hause kam.
Sie war jeden Tag meine Zuflucht, das Licht in meiner Dunkelheit.
Ich liebte es von Ihr Tiffi genannt zu werden.
2 Versionen von Tiffi
Auch nach dem mein Spitzname in der Schule bekannt war und man ihn täglich durch den Dreck zog.
Es gab 2 Tiffis. Die eine war mir so unendlich heilig....Nach Hause kommen meine Familie und meine Oma, meine Freunde,
die mich so liebten wie ich war und mir nichts Böses wollten, einfach Ich sein und Hödingen.
Die andere war, die ich abgrundtief hasste und so sehr verabscheute, die sich Tag für Tag über Tiffi lustig machten, Sie verachteten,
Sie wie eine Aussätzige behandelten, einen großen Bogen um Sie machten aus Angst "angesteckt" zu werden, Sie täglich demütigten,
beschimpften, ihr auflauerten und Sie bedrohten.
In diesen Momenten wusste ich, ab 15.00 Uhr ist es für den heutigen Tag wieder vorbei. 15.00 Uhr stieg ich in den Transporter,
mit anderen Schülern aus meiner Gegend und fuhr nach Hause.
Die Fahrt nach Hause genoss ich in vollen Zügen.. Ich wusste Jemand steht oben am Fenster und kann es kaum erwarten die 1. Version von Tiffi zu sehen.
Sie strahle mich an und ihre Worte: "Da bist Du ja meine Tiffi." fühlten sich wie Seelenbalsam an.
Der Tag konnte noch so schlimm gewesen sein, wenn Ich meine Oma sah war alles wieder gut.
So manche Tage sank ich in ihre Arme und wollte ihr mein Herz ausschütten, ihr alles erzählen, mein Herz von dieser Last befreien
aber es hielt mich irgendetwas von ab. Die Angst, dass sich ihr so wundervolles Lächeln verändert, gepaart mit Sorgen und Mitleid wollte ich ihr nicht antun.
Sie hat sich doch schon immer viele Sorgen gemacht und ich wollte es nicht riskieren, dass sie sich tagsüber noch mehr ihren Kopf zerbricht.
Sie hatte doch schon so viel Kummer erlitten. Ich wollte stark sein, stark sein für dieses Lächeln.
Der Gedanke meine kleine "heile Welt", und das war Sie wirklich, mit dieser Last, Sie mit meinen täglichen Beschämungen zu konfrontieren erschien mir zu riskant.
Dieses freudestrahlende Lächeln meiner Oma wäre nie wieder das selbige gewesen.
Meine Familie wusste bis vor einiger Zeit nicht was in meiner Schulzeit ablief, ich erzählte Nichts davon...
Wenn mir jemand mal wieder das Lineal durchbrach, oder man es mit Edding beschmierte erfand ich eine fadenscheinige Ausrede...
Laut dem Motto hab ich verloren oder Langeweile während des Unterrichts. Ich bekam Ärger und nach dem 3ten Lineal wurde es unschön....
"Kannst Du nicht auf deine Sachen aufpassen? oder "Warum gehst Du so schlampig mit deinen Sachen um?
Ich hab NIE etwas verraten, ich hab niemanden verpetzt obwohl in diesen Situationen ich immer kurz davor war alles zu erzählen
aber NEIN ich hab den Ärger eingeheimst, drehte mich, mit gesenktem Kopf, um und ging...
...meistens zu meiner Oma, legte mein Kopf auf ihre Brust, atmete tief durch und danach war es meist besser.
Bis zum nächsten Mal. Ich machte alles mit mir selbst aus. Ich wollte keinem zur Last fallen und was hätte es denn geändert?
Sie hätten mit dem Lehrern oder Direktor gesprochen, Sie hätten den Finger gehoben und dann?...
..es wäre schlimmer geworden, dann hätte ich zu "Krüppel", "T-Rex", "Baggerschaufel" noch "Heulsuse" oder "Petze" gehört.
UND.... Man hätte mich zu Hause mit Fragen bombardiert. Damals war das Thema Mobbing in der Schule noch nicht so verbreitet,
man machte es nicht öffentlich und kehrte es somit aus Scham unter den Teppich. Eigentlich wie heutzutage nur mit einem rauheren Ton.
Wenn man es so sieht, lebte ich von der 5. bis zur 9. Klasse 2 Leben. Das eine Leben in der Schule als "Krüppel", Aussenseiter und das graue Mäuschen,
in dem ich mich verstellte, alles über mich ergehen ließ und nur dann sprach wenn ich musste..
..Das andere Leben sah ganz anders aus ..ich war kein Aussenseiter und auch kein graues Mäuschen, ich war ich und ich genoss
jede Minute mit meinen Freunden, die mich so akzeptierten wie ich war oder wie ich bin......
Doch abends weinte ich still und heimlich für mich und die Tränen haben sich mit Angst, vor dem nächsten Tag, gepaart.
Mit 15 wurde die Last zu viel und es platzte Alles aus mir heraus. Ich nahm meine ganze Last und schmiss es meiner besten Freundin Heidi
regelrecht vor die Füße.... Ich war das 1. Mal in meiner heilen Welt schwach geworden und es war so befreiend.
Wir schlossen einen Pakt.
Sie versprach mir meine heile Welt nicht zu gefährden. Diesen Pakt nahm Sie ein Jahr später mit ins Grab.
Zeichnen als Therapie
Das Zeichnen war schon immer eine Therapie und jetzt ist sie die Therapie in der Therapie.
Ich zeichne mich...meine Hände, meine Füße und meine Schuhe. Die nackte Realität, nichts verschönert, genauso wie ich bin.
Vorwiegend zeichne ich die Bilder, von mir, für mich zum Visualisieren.
Und warum Zeichnen? Da reicht doch auch ein Foto! Nein mir nicht!!! Ich muss fühlen, ich muss sehen wie Ich "Neu entstehe".
Nach meinem Selbstportrait in der 9. Klasse, im Kunst Unterricht, wollte ich mich nie wieder zeichnen und jetzt zeichnete ich mich 8 Monate.
Bis zu meiner ganz persönlichen Ausstellung eigentlich. Geplant war, genau ein Jahr danach auf den Tag , an dem meine Tochter
die Liebe einer Löwin zeigte und mich beschützte. Das war mein Plan, der aufgrund der damaligen und heutigen äußeren Umstände nicht stattfand.
Mit dieser Ausstellung möchte ich meine Einzigartigkeit auf meine ganz persönlich eigene Weise zeigen.
Über das Thema Mobbing in der Schule sprechen, wie es jemanden verändert, was es nach 20 Jahren immer noch seelisch anrichten kann
und vor allem Anderen in einer ähnlichen Situation den Mut geben, sich Jemandem an zu vertrauen, darüber zu sprechen und es nicht
mit sich ganz alleine aus zu machen. Auch wenn es noch so aussichtslos erscheint.
Bleibt stark, vertraut Euch an und vor allem redet darüber und frisst es nicht in Euch hinein.
Es gibt Menschen die Euch helfen wollen.
Ich will den Menschen da draußen zeigen, dass es sich lohnt und wichtig ist durch die Dunkelheit zu gehen, darüber zu reden
und noch einmal in Millionen Einzelteile zu zersplittern, sich in meinem Fall wieder neu zu zeichnen um am Ende noch stärker
zu sein und sich aus ganzem Herzen selbst zu lieben.
Diese Zeichnungen sind für mich reinster SEELEN-STRIPTEASE und es fällt mir alles andere als leicht über
meine Schublade "Meine Behinderung und Mobbing in der Schule" zu reden aber
Ich weiß das ist DAS was ich machen will.