Meine Leidenschaft Zeichnen
Für den einen ist es Hobby, für den anderen ist es etwas Dekoration, für mich ist es MEIN Leben.....
Seitdem ich einen Stift halten kann, zeichnete ich immer und überall
(und, auch wenn ich einmal gefragt wurde, ob ich überhaupt einen Stift halten kann, hielt ich ihn zeitig fest in meiner Hand)
....überall wo ich war, brauchte ich nur ein Blatt Papier und Stifte..aus den Kritzeleien wurden schnell Bilder und auch Geschichten...
...eine Art Daumen Kino aber nie und nimmer Gesichter.
Zeichnen ist genau diese Gabe, mit der ich mich zu 100 % identifiziere und man mir so schnell nichts vormacht.
Ich bin mir meiner Gabe bewusst und weiß, dass ich es gut kann.
Auch wenn mich manchmal Selbstzweifel plagten, gab mir das Zeichnen immer wieder den nötigen Halt. Den wichtigen Halt, um wieder aufzustehen.
Ich nehme euch jetzt in eine Zeit mit, in der mir mein Perfektionismus zum Verhängnis wurde.
Warum ich jetzt vom Zeichnen zum Perfektionismus schwenke? Weil mein Zeichnen den Perfektionismus unterstreicht.
Meine Zeichnungen wurden immer perfekter, am Ende kaum noch ein Unterschied zur Vorlage.
Ich bin so schön unperfekt aber die Perfektion in meinen Zeichnungen konnte ich mir bewahren.
Nun zu meiner Zeit, ich war fest der Meinung, dass ich in jeder Lebenslage perfekt sein muss und mein innerer Kritiker es von mir verlangte.
Ich wollte alles perfekt machen. Ich war der festen Überzeugung, Job, Kind, Beziehung und Haushalt perfekt zu managen.
Ich wollte DIE perfekte Kundenberaterin, DIE perfekte Mama, DIE perfekte Frau werden und DAS perfekte Leben mit einem perfekten und sauberen Haushalt führen.
Ich wollte allen beweisen, dass ich das schaffe, auch als Behinderte.
Ich hatte Angst zu versagen und mein innerer Kritiker flüsterte mir, sitzend auf meiner Schulter immer zu:
"Zeig Allen, wie toll du bist und du es alleine schaffst."
Immer unter Strom, immer von einem Ziel zum nächsten Ziel hastend, verlor ich dann meinen Halt und fiel mit tosendem Gebrüll auf die Nase.
In dieser Zeit verlor ich nie meinen Perfektionismus, aber, und das war das Schlimmste,
verlor ich mich...ganz still, aber nicht heimlich.
Ich verlor mich aus den Augen!
Alles erledigte ich nur noch halbherzig...ich lebte nicht mehr, ich funktionierte nur noch.
Ich funktionierte so lange, bis mich mein Perfektionismus ausnockte und ich heulend bei meinem Hausarzt saß
und meine Tränen das Gespräch übernahmen.
Mein Arzt reagierte und schickte mich schrittweise für die nächsten 6 Monate nach Hause.
Somit begann ich meine eigentliche Reise zu mir selbst, das sind jetzt nun 8 Jahre her.
Anfangs saß mir mein Ego auf den Schultern und machte mich runter und trichterte mir ein,
was ich doch für eine Versagerin wäre und ich nichts auf die Reihe bekäme.
So suhlte ich mich in Selbstmitleid.
"Was soll denn da schon groß bei rauskommen, guck sie dir doch nur mal an."
Dieser Satz verfolgte mich im Inneren und wurde mir im Außen gespiegelt.
Später setzte das Leben mir die Pistole auf die Brust und drängte mich zu einer Entscheidung.
Die Entscheidung mich wieder zu finden, meinen beruflichen Weg zu ändern und alle Wogen zu glätten.
Erst nahm ich das Außen in Angriff und kündigte mein Job. Danach frei wie ein Vogel überlegte ich, was ich tun will...
Es gab keine große Überlegung, nur die innere Stimme, die sagte:
"Wenn du es jetzt nicht wagst, dann erfüllt sich dein Wunsch niemals." und das erste Mal dachte ich wieder an mich.
Eine A3 Zeichnung für eine Freundin war der Schlüssel zu meiner Entscheidung.
Ich meldete mein Gewerbe an und somit war Stephanies Kunst geboren.
Zum ersten Mal seid langer Zeit lebte ich wieder voller Freude, endlich brannte ich wieder für etwas.
Das Zeichnen und die Leidenschaft retteten mich mal wieder.
All diese 7 Jahre meiner Leidenschaft brachten mich immer näher zu mir selbst. Sie bereitete mich auf meine Königsdisziplin vor.
Durch das Zeichnen fand ich zu mir, das Finden zeigte mir meine Schattenseiten, meine Schattenseiten ließen mich wachsen,
das Wachsen änderte meine Einstellung zu mir und dies wiederum zeigte mir klar meine Zukunft.
Nun stehe ich wie vor 7 Jahren, als ich mich für Stephanies Kunst entschied, vor der nächsten großen Entscheidung.
Nun lasse ich wieder etwas zurück, um weiter zu gehen.
Es fällt mir enorm schwer und diese ganz leise Stimme macht sich bemerkbar, aber nun wird sich
nicht mehr in Selbstmitleid gesuhlt, sondern es wird Nägel mit Köpfen gemacht!
Mein Baby, Stephanies Kunst ist nun schon 7 Jahre und ist ein großes Stück selbstständig geworden.
Wie auch als Mama lernte ich loszulassen. Es wird immer das Wichtigste in meinem Leben bleiben und ich bin unendlich dankbar,
dass es mich rettete, aber nun stehe ich wieder wie ein Fels in der Brandung.
Ich gehe nun in eine ganz neue Richtung, mit einer anderen Selbstsicherheit und mit einer Verantwortung voran.
Ich weiß nicht, wie sich es entwickelt und ich weiß auch nicht, wo es mich hinführt aber ich weiß,
das es der Weg meines Herzens ist und das ist IMMER der Richtige.
Es wird absolutes Neuland, allerdings ist es wichtiges und fruchtbares Land, auf dem ich den Samen säen kann, welche ich den letzten Jahren erschuf.
Die Worte meiner Oma: "Kind, du kannst nicht auf 2 Hochzeiten gleichzeitig tanzen!", höre ich jetzt lauter
denn je und somit verabschiede ich mich jetzt von meiner Leidenschaft, vorübergehend, und begebe mich auf meinen neuen Weg,
in der Hoffnung, dort genau das gleiche Feuer zu spüren wie beim Zeichnen!
Ich freu mich schon riesig drauf.... Bevor du weitergehst, musst du erst etwas beenden, um dich darauf konzentrieren zu können."
Wenn mir meine kleine Welt nicht mehr reichte und ich wegwollte, verschwand ich einfach.
Ich verschwand in meine "andere Welt".
Ich nahm mir meinen Bleistift, ein weißes Blatt und verschwand, ohne mich bei jemanden abzumelden.
Sobald ich den ersten Strich zeichnete, war ich weg und das manchmal für Stunden.
Weg vom Leben, weg vom Stress, weg von allem und ich war frei.
Abschalten, so richtig weg...in einer ganz anderen Dimension. Kopf frei zeichnen.
Eintauchen in meine "andere Welt" ohne jegliche Anstrengung, ohne zu wissen, wann ich wieder da bin.
Ein leeres weißes Blatt fühlte sich wie ein kleiner Berg an, den ich mit jedem Bleistiftstrich erklomm und nach getaner Arbeit die Aussicht genoss.
Jede Aussicht genoss ich in vollen Zügen, ließ mir den frischen Wind um die Nase wehen und verweilte einen Augenblick.
So manches Mal rettete mich dieser Wind, um wieder klar zu denken.
Diese unzähligen Male des Aufstieges verankerten mich immer mehr mit meinen Innersten.
Diese kleinen Aufstiege bereiteten mich für meine Königsdisziplin vor. Auf die nächste Stufe meines Lebensweges.
Jetzt stehe ich vor meinem persönlichen Mount Everest und kann nur vermuten, wie grandios die Aussicht wird.
Ich war noch nie dort oben, ich weiß noch nicht einmal, ob mir die Aussicht auch gefällt.
Ich weiß nur, dass ich diesen Weg gehen muss.
Ich lasse nun meine Berge hinter mir...die vielen Berge die mich wachsen ließen.
Auch wenn ich weiß, das es an der Zeit ist, weiter zu gehen und ich mich darauf freue, was kommt.
Bricht genau in diesem Moment meine "andere Welt", die mich in andere Dimensionen katapultierte,
die mich so manches Mal immer und immer wieder rettete und auf die ich so verdammt stolz war,
ein Stück in sich zusammen. Das erste Mal zu sagen: "Ich bin Künstlerin!" war grandios.
Ich dachte, ich sei nun endlich angekommen, aber nun hat mein Leben etwas anderes mit mir vor.
Oh Scheiße, es ist verdammt schwer loszulassen.