Meine Hände



Ich fühle mich hin und her gerissen....zerrissen meinen Händen nicht gerecht zu werden....
Sie haben so viel mehr Beachtung verdient, als ich es jetzt in Worte fassen könnte....
Ein paar Tage auf dieser Welt und man begann an ihnen rum zu werkeln...man versuchte sie zu richten,
man gipste sie ein, man tat alles Mögliche sie in die richtige Form zu bringen.
Später versuchte man es mit Operationen...
Es half bedingt...
An was ich mich noch erinnern kann, dass ich Schienen für meine Hände und Arme bekam...

...Erst waren sie aus Plastik mit Klettverschlüssen... Ich trug sie in der Nacht, zumindest solange bis ich aufwachte und sie abmachte.

Ich fand IMMER einen Weg, mich von diesen Teilen zu befreien, auch später, als Sie dann andere Geschütze auffuhren...
Meine Plastikschiene mutierte dann zu einer monströsen Plastik-Metall-Schiene mit Schnürung oder doch noch Klettverschlüssen....

...ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass es länger dauerte, mich von diesen zu befreien.

Die Metallelemente konnte man mit einen Schlüssel immer weiter drehen, sodass meine Arme in der Nacht gedehnt wurden...

Auch wenn sie einer Foltermaschine ähnelte, waren sie in meiner Lieblingsfarbe Rot...
Wir hatten ein gespaltenes Verhältnis zueinander...ich mochte sie, aber noch mehr mochte ich sie,

wenn sie weit von mir entfernt lagen....Irgendwann gaben es meine Eltern und Großeltern auf, da ich immer einen Weg fand, mich davon zu befreien.

Es war ein unangenehmer Schmerz...
Sie waren extrem schwer und mir schliefen durch das Strecken die Finger ein und jeder kennt dieses Gefühl von einschlafenden Fingern.....

...Es ist verdammt eklig!
Heute noch mag ich es nicht, wenn lange etwas meine Hand berührt, es steigt ein beklemmendes Gefühl in mir hoch und der Drang

mich sofort aus der Situation zu befreien...Liebe Menschen erfuhren leider oft auf unschöne Art, wie schnell und manchmal grantig ich aus dem Moment raus muss...

Händchen halten?
Ja, aber nur aus freien Stücken und ich schnappe mir nur seinen kleinen Finger...

Die Einzige die es darf, ist Arie...Mutterinstinkt und so....

Sie sagte mal "Mama, du hast wunderschöne Hände. Sie sind so weich und zart..." Ich war so gerührt,
weil ich wusste, dass Sie das genau so meinte, wie sie es sagte.
Mit voller Liebe...ich hätte es damals auch gerne so gesehen. Als sie als Baggerschaufeln oder T-Rex Hände bezeichnet wurden.

Im Winter fühlte ich mich wohl, so versteckte ich sie unter langen, schlabbrigen Pullovern..
im Sommer war ich den Blicken und Tuscheleien anderer ausgesetzt, klar hab ich mir ein dickes Fell
herangezüchtet um es nicht an mich heranzulassen. Es gab auch eine Zeit, in der ich mich auch über sie lustig machte...

Ich zog sie in den Dreck und somit auch mich selbst. Unbewusst wurde ich einer von ihnen.

Was es mit mir innerlich anstellte, war mir nicht klar. Klar schon, aber sich darüber zu amüsieren war einfacher als,

mich mit dem Schmerz auseinanderzusetzen.


Ich sah nicht mehr die Schönheit meiner Hände...
Ich sah nicht mehr die Erinnerungen ....wie mein Opa mit mir geduldig auf der Holztreppe in unserem
Haus saß und mit mir Schleifen binden übte immer und immer wieder....wie meine Oma meine Hände in ihre nahm um sie zu küssen,

wie ich mir Hilfsmittel ausdachte, überlegte und sie manchmal auch baute um mir mein Leben zu erleichtern.....

..wie ich schon in meiner Kindheit die Aufmerksamkeit auf meine Zeichnungen lenkte....

Die einzige Zeit, die ich in der Schule genoss, war der Kunstunterricht. In diesen 45 min konnte ich Allen zeigen, was diese Hände noch so alles konnten.
Auch in einer diesen Kunststunden entschied ich mich, mich nie wieder selbst zu zeichnen.

Eines der Aufgaben war, dass wir unser Spiegelbild zeichnen sollten. Mein Selbstporträt war, na ja sagen wir's mal so....nicht ganz vorteilhaft getroffen.

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